Heute wird also gewählt. Die Chancen, dass das BZÖ aus dem Parlament fliegt, sind mehr als gering. Die Chancen, dass das BZÖ wenigstens unter 6 % bleibt, ebenso.
Was aber nicht unbedingt heißen mag, dass sich das BZÖ langfristig als Partei durchsetzen wird.
Der Haider-Effekt ist vielleicht bei Nationalratswahlen und Kärntner Landtagswahlen gegeben. Bei EU- und anderen Landtagswahlen wird das BZÖ vermutlich nicht über 4 % kommen.
Auch Haider wird nicht jünger, und wird eines Tages abtreten müssen. An diesem Tag wird auch der letzte Wahlerfolg des BZÖ Geschichte gewesen sein.
Sympathie-Figuren wie Haubner, Grosz und Petzner werden ohne Haider eher hilflos aussehen.
Also, die Zukunft muss nicht unbedingt orange sein.
Behinderte Menschen können oft nur mit der Tastatur durch das Internet surfen. Bei manchen Webseiten wird das leider zunehmend schwierig, zumal sich JavaScript und andere Technologien zur Menüführung immer mehr durchsetzen.
Der Verein BIZEPS hat vor 2 Wochen den Internetaufritt der Parteien untersucht.
„Die SPÖ überrascht positiv. Sie ist zumindest auf einem guten Weg.“ (Link)
„ÖVP-Homepage: „Äußerst schlampig“ und voller Barrieren“ (Link)
„Neue Homepage der Grünen ‘im negativen Sinne nicht wiederzuerkennen’“ (Link)
„Barrierefreiheit bei der FPÖ-Homepage: ‘Man hat es nicht einmal versucht’“ (Link)
Und letztlich auch die BZÖ-Homepage:
BZÖ Homepage ist unbenutzbar, aber teilweise lustig (Link)
War ja bei einer Spaßpartei auch nicht anders zu erwarten. Jedenfalls ist die Seite aus barrierefreier Sicht absoluter Mist, einziger Lichtblick: Für behinderte Menschen ist das BZÖ im Parlament nicht zu finden.
Navigiert man via Tastatursteuerung auf den Menüpunkt „BZÖ im Parlament“, so bekommt man folgendes zu sehen:
Screenshot: bzoe.at (Quelle: Flickr)
Laut Bundesbehindertengleichstellungsgesetz dürfte das BZÖ (und auch einige andere Parteien) somit keine Parteiförderung mehr bekommen.
Bei der Stellungnahme zu den Vorwürfen meinte das BZÖ jedenfalls „Meinem Wissensstand zufolge entspricht unsere Homepage durchaus gängigen Standards.“
Es ist Standard, dass behinterte Menschen nicht Surfen können? Interessant.
Leider zeigte Jörg Haider im Wahlkampf keine Anzeichen, dass er Lust verspüre, zu rappen oder zu singen. Somit müssen wir auf den BZÖ-Song aus dem Grazer Gemeinderatswahlkampf zurückgreifen.
Das BZÖ hat eine Presseaussendung geschrieben, dass Jörg Haider trotz Wahlkampfes für Kärnten arbeite und die SPÖ und ÖVP nur Arbeitsverweigerung betreiben.
Daraufhin schrieb die SPÖ Kärnten in einer Presseaussendung folgendes:
Wenn Stefan Petzner SPÖ und ÖVP in Kärnten
Arbeitsverweigerung vorwerfe, während sein alter Ego Jörg Haider in
anderen Bundesländern Wahl kämpfe und zu diesem Zweck wichtige
Regierungs- und Landtagssitzungen absage, müsse sich der orange
BZÖ-Generalsekretär schön langsam Zweifel an seinem Geisteszustand
gefallen lassen, stellte am Dienstagnachmittag der Kärntner
SPÖ-Landesgeschäftsführer Gerald Passegger mit geringer Besorgnis
fest.
Das ist natürlich kein guter Stil. Darum antwortete das BZÖ in einer Presseaussendung:
Zur untragbaren verbalen Entgleisung des Gerald Passegger, der Zweifel am Geisteszustand von Landesparteiobmann und Generalsekretär Stefan Petzner äußert, stellt das BZÖ Kärnten fest: „Stil und Niveau Passeggers richten sich von selbst.
Dass Passegger hier unfair agiert, steht vollkommen außer Frage. Ebenso steht vollkommen außer Frage, dass das BZÖ in Vergangenheit ebenso wenig Wert auf Niveau legte.
Zum Beispiel schrieb die Jugendorganisation der Orangen:
Beim RFJ muss man froh sein, wenn man von den Veranstaltungen ohne Gesichtsverletzungen nach Hause kommt und bei den Grünen wenn man ohne passiven illegalen Drogenkonsum die Heimat findet.
Auch schön ist:
Die blaue Kellerpartie ruht sich auf so mancher unglaubwürdiger Umfrage aus, wonach ihnen utopische Werte prognostiziert werden.
Die Grünen stecken offenkundig schon in Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP und sehen sich schon im Regierungshimmel (den sie- Gott behüte- niemals erreichen werden).
Das LIF ist nichts anderes als eine zweite SPÖ-Liste, das die Bezeichnung „liberal“ im Grunde nicht einmal in den Mund nehmen sollte.
Ich freue mich auf den Tag, an dem sämtliche österreichische Parteien begreifen werden, dass es wohl eher um Inhalte als um Angriffe gehen sollte – jedenfalls das BZÖ hat es noch nicht begriffen.
In einem Rechtsstaat funktioniert das normalerweise so: Jemand ist solange unschuldig, bis seine Schuld durch ein Gericht, das unabhängig von der Politik agiert, bewiesen ist.
Jörg Haider wurde in einem DiePresse-Chat auf Martin Balluch angesprochen. Dieser wurde im Mai als Aktivist einer Tierrechtsorganisation verhaftet und verbrachte daraufhin 110 Tagen in Untersuchungshaft – wurde also noch nicht verurteilt.
Trotzdem nannte Haider Balluch, der auf dem aussichtslosen 15. Platz der Grünen Bundesliste kandidiert, in diesem Chat einen „gewaltbereiten Täter aus der Tierschutzszene„.
Ok, das passiert mal – interessant ist nur, dass Peter Westenthaler, der 3. auf der BZÖ-Bundesliste, von pro-tier.at gefragt wurde, was er von der Sache hält. Er sagte:
Mittlerweile sind viele Wochen vergangen und noch immer sind keine triftigen Gründe für die Untersuchungshaft der betroffenen Tierschützer bekannt gegeben worden. Sollten die Ihnen zur Last gelegten Vorwürfe stimmen ist ein rechtskonformes Vorgehen verständlich, aber bis jetzt war die Staatsanwaltschaft nicht willens oder nicht fähig eindeutige Beweise auf den Tisch zu legen. Sollte hier ohne entsprechende Tatbestandsmerkmale vorgegangen werden, dann ist das natürlich ein Skandal. Die Arbeit von Tierschutzorganisationen darf nicht kriminalisiert werden.